Rezension: Kleine Feuer überall

Anmerkung: Werbung da Produktnennung und Bild.

 

Lesegrund:

 

Das Buch "Kleine Feuer überall" lag lange unbeachtet auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Vor einigen Tagen sah ich dann, dass es von Reese Witherspoons Bookclub empfohlen wurde. Ich gestehe, dass ich in mancher Hinsicht wohl ein kleines "Influencer-Opfer" bin und so ist es nicht überraschend, dass ich das Buch aufgrund dieser Empfehlung endlich zum Lesen in die Hand nahm...

 

Inhalt:

 

"Vom Außenanstrich der Häuser bis zum Alltag ihrer Bewohner: Alles in Shaker Heights, einem beschaulichen, fortschrittlichen Vorort von Cleveland, ist passgenau durchgeplant. Keiner verkörpert diesen Geist mehr als Elena Richardson mit ihrer Familie aus dem Bilderbuch. Elena hat ein gutes Herz: deshalb nimmt sie die Alleinerziehende  Künstlerin Mia Warren als Mieterin auf und behandelt deren Tochter Pearl auch sofort, als wäre sie ihr eigenes Kind. Sie überlässt nichts dem Zufall: darum gräbt sie heimlich in Mias mysteriöser Vergangenheit - woher nur kommt diese magische Anziehung, die das Mutter-Tochter-Gespann auf alle Richardson ausübt? Als Elena fündig wird, erfährt sie ebenso viel über sich selbst wie über Mia. Und nichts wird mehr so sein, wie es war."

 

(Textquelle: Celeste Ng, dtv Verlag)

 

Meine Meinung zu dem Buch:

 

Die Autorin Celeste Ng hat keinen reißerischen Thriller geschrieben. Sie lässt kleine Feuer langsam größer werden, die Katastrophe beinahe gemächlich heranrollen. Das Buch ist leise, klug und perfekt konzipiert. Es ergreift Herz und Seele und bewegt doch. Ich habe jedenfalls noch einige Tage später über all "die kleinen Feuer" im Leben nachgedacht...

 

Meine Gedanken zur Thematik des Buches:

 

Das Buch "Kleine Feuer überall" zeichnet das Bild einer Upper-Class Familie an der amerikanischen Ostküste, für die ihr Streben nach offensichtlichem Glück und Perfektion langsam aber unaufhaltsam zum Verhängnis wird.

 

Ich habe ein Highschool-Austauschjahr in einem wohlsituierten Ort an der amerikanischen Ostküste verbracht. Es war mir hierbei immer bewusst, dass es mein kleines, persönliches und vor allem geliebtes "Pleasantville" war. Auch die Thematik der Verdrängung, um das Bild von Vollkommenheit zu wahren, ist mir aus dieser Zeit und Hinsicht nicht gänzlich unbekannt. Umso älter ich wurde, umso mehr wurde ich mir dessen bewusst. Es hat mich beschäftigt und so habe ich vor einiger Zeit bereits einen Poetry-Slam-Text dazu veröffentlicht. Er findet sich eingesprochen im Folgenden:

 

Es wäre jedoch unfair, so zu tun, als wären diese "kleinen Feuer", die zu einer großen Katastrophe führen können, ein rein amerikanisches Phänomen. Wie viele von uns haben diese kleinen und großen Geheimnisse, die sie nicht verraten, um ihr Bild von Perfektion nicht zu zerstören? Wie viele von uns können und wollen nicht zugeben, dass das eigene Sein und Leben Schwächen hat? Von unseren Kindern ganz abgesehen, die wir in vielen Fällen für vollkommen und fehlerfrei halten...

 

Ich frage mich, woher dieses Streben und die Härte gegen uns selbst kommt. Haben wir am Ende Angst, nicht genug geliebt zu werden, wenn etwas in unserem Leben nicht perfekt funktioniert? Ist es der Ehrgeiz und die Unsicherheit, nicht genug geliebt zu werden für das, was wir sind: Einzigartig, voller Gefühl, schräg, manchmal gewinnend, manchmal verlierend. Unglaublich wunderbar. Und einfach unperfekt.

 

Weitere Informationen zum Buch:

 

Titel: Kleine Feuer überall

Autor: Celeste Ng

Übersetzung: Brigitte Jakobeit

Verlag: dtv Verlag (2018)

Genre: Drama

Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch)

ISBN: 978-3-423-28156-0