Ein wenig Eigenes #6

DER PAKT ZWISCHEN DEM WIND UND DEM HERZ

 

Der Wind bläst über die vertrauten Klippen,

berührt sanft ihre rot-bemalten Lippen.

Er weht ihr immer öfter in ihr Herz und in den Rücken,

versucht sie an den Rand zu drücken.

Er pfeift unaufhörlich in ihr Ohr,

warum ausgerechnet sie den Mut zum Sprung verlor.

 

Doch Sie. Sie zögert. Dieses Mal.

Sie fürchtet, wenn sie bleibt, bricht er ihr die Flügel.

Sie fürchtet, wenn sie geht, bricht er ihr das Herz.

Das Herz auf hoher See.

 

Er peitscht das Wasser an die Küste,

wirbelt ihre Gedanken in die Lüfte.

Seine Böen sind abstrakt,

 nur die Möwen segeln ohne Angst in seinem Takt,

Sie betrachtet deren Flug,

und spürt das Drängen des Windes jetzt mit jedem Atemzug.

Er versteht nicht ihres Herzens' Widerstand,

es war doch die Sehnsucht nach Freiheit, die sie beide immer verband.

 

Doch Sie. Sie zögert. Dieses Mal.

Sie fürchtet, wenn sie bleibt, bricht er ihr die Flügel.

Sie fürchtet, wenn sie geht, bricht er ihr das Herz.

Das Herz auf hoher See.

 

Der Wind stürmt ihr nun entgegen,

um sie endlich zu bewegen.

Doch sie bleibt für den Moment beständig steh'n,

spürt ihn schließlich trauern, spürt ihn leiser weh'n.

Sie sieht wie die Möwen auf den Klippen landen,

und die Wellen zärtlich an die Felsen branden.

Der Wind zieht sich zurück,

doch sie weiss, es ist nur für den Augenblick.

 

Und irgendwann. Wenn er wiederkommt. Zögert sie nicht mehr.

Fürchtet keinen Herzensbruch.

Breitet ihre Flügel aus.

Auf dem Weg zu neuen Ufern.

 

© Jasmin Koch

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