Rezension: Euphoria

Lesegrund:

 

Wie ein Kind nach bunten Süßigkeiten, griff ich in der Buchhandlung nach dem Roman mit dem Papagei auf dem Cover. Der Klappentext war voluminös und berichtete von Neuguinea, Liebe, Wissenschaft und Erotik- ich war begeistert. Endlich mal was anderes. Dazu kamen Lob-Zitate aus der ZEIT, dem Spiegel, die Verleihung des Kirkuz Prize und eine Auszeichnung durch die New York Times als eines der fünf besten Bücher des Jahres 2014. Mehr Gründe, dachte ich, braucht ein Buch nicht, um gekauft zu werden.

 

Inhalt:

"Wissenschaft ist (auch) erotisch"

 

"Neuguinea, Anfang der dreißiger Jahre: die amerikanische Ethnologin Nell Stone, seit ihrer Jugend berühmt, ist körperlich am Ende, als sie mit ihrem Mann Fen nach langer Feldforschung zur Kolonialstation zurückkehrt. Das Verhältnis zwischen den Eheleuten ist nicht ungetrübt. In der Station treffen sie auf einen britischen Kollegen, Andrew Bankdon. Er, von langer, einsamer Feldforschung ausgelaugt, überredet das Paar zu gemeinsamer Arbeit: Nach vergeblichen Versuchen, etwas Verwertbares über die Stämme am Sepikfluss herauszufinden, gelangt das Trio schließlich zu den Tam, einem von Frauen dominierten Stamm. Schon bald entwickelt sich zwischen Nell und Andrew mehr als nur eine enge Arbeitsbeziehung. Je länger die drei Wissenschaftler die ungewöhnlichen Rituale der Tam erforschen, desto deutlicher treten ihren individuellen Ansprüche, Methoden, Wünsche und Interessen hervor. Und die Spannungen untereinander steuern auf einen dramatischen Höhepunkt zu."

 

(Textquelle: dtv Verlag)

 

Meine Meinung:

 

Die New York Times kürte den Roman 2014 zu einem der fünf besten Büchern des Jahres. Nun gut, es steht auch außer Frage, dass Lily King mit "Euphoria" einen sehr tief recherchierten Roman über die Wissenschaft der Ethnologie in den 1930er Jahren und die Ureinwohner Neuguineas vorgelegt hat. Auch ihr Schreibstil befindet sich ohne Zweifel literarisch auf hohem Niveau, wenngleich der plötzliche und kommentarlose Wechsel der Erzählperspektive an der ein oder anderen Stelle zu Verwirrungen führt. Das eigentliche Problem des Buches liegt in der Distanz und Nüchternheit, welche Lily King gegenüber den drei Protagonisten wahrt. Der Leser kann keine Verbindung zu den Hauptfiguren aufbauen, nicht mit ihnen fühlen, hoffen und leiden. Diese Teilnahmslosigkeit vertieft Lily King, indem sie viele Aspekte lediglich andeutete, nicht ausbaut und nicht erzählt, worauf der Leser hofft. Dem Buch fehlt es an Gefühl und Spannung. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.

 

Fazit:

 

Ein preisgekröntes Buch, das viel verspricht, den Leser aber nicht fesselt und bewegt. Wer allerdings mehr über das Thema Ethnologie in den 1930er Jahren erfahren will, ist hier genau richtig.

 

Informationen:

 

Titel: Euphoria

Autor: Lily King 

Genre: Roman

Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-14580-0

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